TRANZIT PAPER

space. body. politics.

Posts from the “N°07 MEDIA” Category

Über die Unterhaltung einer öffentlichen Person

Posted on 2012/12/13

Über den Vorgang des Publizierens eines öffentlichen Textes – zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, zwischen Inszenierung und Selbstbestimmung: Thomas Wagensommerer, Medienkünstler, Musiker und Theoretiker, unternimmt eine essayistische Annäherung an den textuellen Schritt in den öffentlichen Raum.



Text: Thomas Wagensommerer
Bild: Louise Linsenbolz


An dieser Stelle möchte ich mich öffentlich machen.
Von nun an werde ich das auch bleiben, um diesen Text beenden zu können. Dies impliziert bereits ein unterhaltsames Paradoxon, wonach es mir ja tatsächlich auch nicht möglich wäre, etwas an diesem Platz zu hinterlassen, wäre ich nicht öffentlich. Analytisches Urteil a priori.

Ich verweise. Ich zitiere mich selbst als Urheber eines nicht öffentlichen bzw. nicht veröffentlichten Textes, dessen Impetus es war ein abstrahiertes Bild der Struktur von Unterhaltung zu zeichnen. Dieses abstrahierte Bild wurde zu einer Apotheose seiner selbst. Ich entschied mich deshalb, diesen Text einen privaten sein zu lassen und nun lediglich auf dessen Versäumnisse zu referenzieren.

Ich muss mir die Frage stellen, was mich daran hindert, eine absichtlich streng subjektiv Anhandlung eines allgegenwärtigen Themas mit Vehemenz nicht als solche auszuweisen. Ich behauptete nie, mich einer Allgemeingültigkeit verpflichtet zu fühlen. Im Prozess des Schreibens – ganz anders als im Prozess des Denkens – konnte ich jedoch die Faust einer Pseudoobjektivität im Nacken spüren, der ich mit Verbeugung nachgab.
Vermutlich wollte ich mich zu einem großen Teil ganz einfach nicht angreifbar machen. Dieses Faktum kann man vielen publizierten Texten attestieren. Und das aus einem guten und nachvollziehbaren Grund. Zu einem weiteren, vermutlich ebenfalls recht großen, Teil wollte ich mich selbst nicht zu ernst nehmen und habe diese Ernsthaftigkeit ins Abstrakte projiziert. Und dies passierte aus einer gemeinen Eitelkeit.

Doch genau dieser Vorgang des Sich-Aussetzens war (und ist gewissermaßen als Echo immer noch) Thema des eigentlichen Textes: Wer bin ich in der Öffentlichkeit und wie unterhält diese mich? Nun bin ich seit 1506 Zeichen öffentlich. Mein Selbst hat sich in dieser Zeit nicht spürbar verändert. Mein Menschschein, über das ich auch nicht mal annähernd ausreichend Bescheid weiß, erscheint mir unerschütterlich ähnlich wie vor Beginn des Textes. Jedoch bin ich mir andererseits bewusst, dass ich als Mensch unter bedingungsloser Mithilfe der
Rezeption eine Person konstruiert habe. Eine öffentliche Person. Mit Sicherheit ist es nicht meine erste Konstruktion einer ebensolchen. Zu diesem Zeitpunkt bin ich bereits eine Vielzahl, die, wenn ich sie unter Kontrolle hielte, einander nicht in die Quere kämen. Ich bin mir sicher, ich konnte bzw. kann das nicht.

Woran liegt es aber, dass ich nicht im Stande bin eine klare Grenze zu ziehen? Ich behaupte – und ich behaupte das nur als Erklärungsversuch vor mir selbst – dass die Öffentlichkeit als eine sich meine öffentlichen Personen einverleibende Organisation eine Struktur etabliert hat, die wie ein schwarzes Loch ebendiese unwiderstehlich
anzieht und sie kollidieren lässt. Und diese Struktur erkenne ich als die Unterhaltung. Die Unterhaltung ist der Ordnungshüter einer Öffentlichkeit, die sich dadurch vor einer Mutation ihres immanenten sozialen Körpers zu schützen versucht. Kein bestehendes System würde per definitionem Elemente erschaffen, die das System selbst angreifen. Nun ist die Öffentlichkeit kein lediglich schaffendes System, sondern bezieht einen großen Teil ihres
Kompositums aus seinen Elementen. Man kann also sagen, dass sich mit jedem auftauchenden Element der Öffentlichkeit sich die Öffentlichkeit selbst adaptiert. Jedoch hat diese, wahrscheinlich unter tatkräftiger und ebenso naiver Mithilfe ihrer Elemente, einen Mechanismus zur Abwehr einer Verkrüppelung entwickelt.

Die Unterhaltung der Öffentlichkeit entfernt die Personen von ihrem Ursprung – dem Menschen – und schreibt ihnen fortan eine Selbstbestimmung zu, welche sich in einer geschickten Inszenierung verortet fühlen darf.

Und mit Genuss beiße ich in dieses Zuckerbrot.

Autor:
Thomas Wagensommerer lives and works in Vienna, Austria.
Studies of Digital Mediatechnology at the University of Applied Sciences St. Pölten,
Philosophy at the University Vienna, Transdiciplinary Art (TransArts) at the University of Applied Arts Vienna.
Works as mediaartist, musician and theoretician in both installative and performative ways.
Lecturer for Experimental Media at the University of Applied Sciences St. Pölten.
www.wagensommerer.at

 

Visuals: Copyright Louise Linsenbolz

The Social Life of Small Urban Spaces

Posted on 2012/10/19

“Why do some of them work for people while others don’t?” is the leading question, one of the most well-regarded films about urban planning explores. The Social Life of Small Urban Spaces by William H. Whyte takes a closer look at the open spaces of cities.

Beginning at New York’s Seagram Plaza, a popular open area in NYC, the film proceeds to investigate major facts of urban design throughout various public spaces like the problematic Bryant Park in Manhattan. But the film also goes beyond NYC and casts a critical eye on the Renaissance Center in Detroit, parts of Downtown L.A, San Antonio, Toronto and Seattle, among others.

Virginia Nimarkoh: Utopian Public Spaces & Class Distinctions

Posted on 2012/09/21


Virginia Nimarkoh, Photo: Diego Ferrari

Green spaces, such as urban gardens or farms, are in the focus of the current discussion about urban spaces. Virginia Nimarkoh`s photographs document municipal green spaces like parks, community gardens and city farms, which are the meeting point for diverse narratives around community, nature, ownership and the city. In an interview she tells us about her interest in (green) public spaces, class distinctions and her affection for The Phoenix Garden in London.

 

Your artistic projects treat public spaces like community gardens or parks. Where does your interest in these spaces come from? What makes them attract your interest?

I started doing urban landscape photography when I was in the final stages of writing my PhD. I used to jog in local parks as an antidote to all the theory I was consuming. But then I began to notice how people use parks and thought about how important they are in a densely-populated city like London.

The Plant Journal

Posted on 2012/08/29

Two years ago, three editors started to work out the fabulous idea of The Plant Journal. Besides providing botanical contents in a simple, personal and cozy way, The Plant Journal offers a new view on greenery on a bi-annual basis. The first issue was launched in June 2011 and its initiators Isabel Merino, Carol Montpart and Cristina Merino are still on the go – issue #3 will be in stores in September 2012. Christina Merino, editor-in-chief, took some time to let us know, what makes up the passion behind.


What is it about your relationship to plants, that you came up with the idea to publish The Plant Journal?

It was when we moved to our own homes. We were buying plants to decorate but we realized that we didn’t know so much about caring them so we started looking at some tips and advice. After that we got more into them and noticed that there wasn’t any magazine that talked about plants the way we wanted, so we started working on the project and now we are going to launch third issue soon.

Echoes of Voices in the High Towers

Posted on 2012/07/02

Contextualized in a post-Situationist tradition, British artist Robert Montgomery uses the medium of language as the central form of expression. His work is often poetic and melancholic while confronting his audience in publicness, which is central to his work.

As a public inventory of the contemporary mindset, his work seems like a glance into the way it feels to live at this very moment in time. The main reference points of this new exhibition, that will take place in summer 2012, is the the city of Berlin.