TRANZIT PAPER

space. body. politics.

Posts from the “N°05 FEMINISM” Category

EIN.KÜCHEN.BAU – ein Gespräch zwischen Architekturtheorie, Feminismus und Ikea

Posted on 2012/11/27

 

Leistbar, funktional und arbeitsfreundlich sollte sie sein, die Küche – der Traum einer jeden Hausfrau, zumindest in den goldenen 20er Jahren. Genau das realisierte die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky in den zwanziger Jahren mit ihrem Entwurf Frankfurter Küche, bis zur Perfektion brachte sie möglichst viele Funktionen auf wenig Platz unter.

Nun untersucht der Künstler Joonas Lahtinen mit der Performance EIN.KÜCHEN.BAU. den normierten Raum im Allgemeinen und das Konzept der Einbauküche nach Schütte-Lihotzky im Besonderen auf seinen Aktualitätsgehalt.
“Räume wirken bewusst und unterbewusst ständig auf das Leben der Menschen ein, diese können der Architektur nicht entrinnen,” spricht Lahtinen während der Performance durch ein Megaphon. Es ist ein Originalzitat Schütte-Lihotzkys, mit dem die BesucherInnen hier konfrontiert werden. Und dies Aussage ist nicht minder aktuell als vor gut 90 Jahren.

Pornotopia. Space, Sexuality and Multimedia. Oder: Hefner baut sich eine Welt, wie sie ihm gefällt

Posted on 2012/06/29

 

Wie Hugh Hefner mit dem Magazin Playboy nicht nur ein utopisches Lebenskonstrukt entwarf, sondern gleichzeitig auch die Staffage, die Räumlichkeiten und die Medien, die seinen Gegenentwurf zur bürgerlichen Nachkriegsexistenz einer prüden amerikanischen Gesellschaft stützten, das beschreibt die Philosophin und Queer-Theoretikerin Beatriz Preciado in ihrem neuesten Buch Pornotopia. Architektur, Sexualität und Multimedia im >Playboy<

Wer nun eine reine Pornographiekritik erwartet, wird jedoch enttäuscht. Denn diese unmoralische Analyse des Magazins Playboy geht weit darüber hinaus und ist so unterhaltsam, wie es bei wissenschaftlicher Literatur eher selten der Fall ist. Preciado zeigt auf verblüffende und humorvolle Art und Weise, wie sich die Konstruktion des Geschlechts in der Produktion von virtuellem und realem Raum niederschlägt – ein echter Playboy fröhnt nicht nur dem Macho-Habitus, er wohnt und inszeniert sich auch dementsprechend.

Urbane Revolten (II). Die nackte Wahrheit: Frauen brauchen Raum.

Posted on 2012/06/11

 

Frauen brauchen Raum lautete die Forderung von Künstlerinnen, Feministinnen und anderne engagierten Leuten, die sich in Wien im Jahr 1998 erfolgreich und mit viel Kreativität, Kampfgeist und Durchhaltevermögen für die Vision Frauenraum einsetzten. Mit dem Ergebnis, dass aus der Besetzung des ehemaligen Pornokinos Rondell, an einem anderen Ort das Kosmos Theater – Das Theater mit dem Gender hervorging.
Ein Gespräch mit Barbara Klein, Intendantin des Theaters und Co-Initiatorin der Besetzung, über ein bemerkenswertes Kapitel der österreichischen Frauen- und Kulturpolitik.

“[...] Es sieht ganz so aus, als könnte und wollte dieser Raum des ehemaligen Pornokinos, der ja lange von der Präsentation von Frauenfleisch gelebt hat, auch im Nachhinein, da Frauenfleisch gemütlich zu Hause aus dem Videorekorder kommt, Frauen in bekleidetem oder gar denkendem Zustand nicht ertragen können. Aber der Raum selbst ist unschuldig. Seine Besitzer und Verwalter aber sind es nicht. [...]
- Elfriede Jelinek, in: Dohnal, Johanna (Hg.in); Riegler, Susanne; 2010: Das Theater mit dem Gender – 10 Jahre Kosmos Theater. Wien: Löcker Verlag, S. 22.

 

Sie waren maßgeblich an der einzigen feministischen Besetzung in Wien beteiligt. Nun zeigt das Wien Museum mit der Ausstellung Besetzt! einen Überblick über den Kampf um Freiräume in Wien. Doch die Besetzung des ehemaligen Pornokinos Rondell wird nicht erwähnt..

Weder in der Ausstellung noch im Katalog zur Ausstellung, der in die Natbibliothek geht und als Dokument die Geschichte an die Nachwelt weitergegeben wird, findet die Rondell Besetzung statt. Dabei mangelt es nicht an Dokumentationsmaterial: Es gibt die Publikation von Johanna Dohnal, meine Diplomarbeit und Medienberichte in unserem Theaterarchiv.
Ich habe einen offenen Brief verfasst, der als OTS (Anm. d. Red.: Presseaussendung im Originalwortlaut unter inhaltlicher Verantwortung des Aussenders) an die APA (Anm. d. Red.: Austria Presse Agentur) ging, natürlich an Herrn Kos (Direktor des Wien Museums), an Herrn Mailath-Pokorny, Stadtrat für Kultur und Wissenschaft in Wien, an Claudia Schmied, Bundesministerin, an Gabriele Heinisch-Hosek, Frauenministerin, und andere – und es gab von niemandem eine Reaktion. Von Niemandem.

Das dürfte ihnen ja bekannt vorkommen – war das nicht damals beim Kampf um den Raum für Frauen auch so?

Genauso war es. Es gibt eine unglaubliche Ignoranz gegenüber dem Buhwort Feminismius. Damals haben es mir die Beamten der Kunstsektion (heute: Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kunst) noch entgegengebrüllt. Aber nach wie vor hat der Feminismus in der Kunst scheinbar überhaupt nichts verloren. Heute verhält man sich ähnlich, die einzige Waffe ist und bleibt Ignoranz.

Urbane Revolten (II). Frauen brauchen Raum: Dokumentation

Posted on 2012/06/11

Bildergallerie zum Interview Urbane Revolten (II). Die nackte Wahrheit: Frauen brauchen Raum.

Besetzung Rondell, Foto: KosmosArchiv

Sexorgie im Rondell, Foto: KosmosArchiv

Anna Sporrer, Foto: KosmosArchiv

Foto: KosmosArchiv

Foto: KosmosArchiv

Claudia Krieglssteiner, Foto: KosmosArchiv / Rainer Nesset

Barbara Klein in Verhandlung mit Behörden, Foto: KosmosArchiv / Heidi Heide

Barara Klein in Verhandlung mit Behörden, Foto: KosmosArchiv / Heidi Heide

Anna Sporrer und Barbara Klein im Rondell, Foto: KosmosArchiv

Foto: KosmosArchiv

Robert Schindel im Rondell, Foto: KosmosArchiv / Rainer Nesset

Gabriele Hecht, Marijana Grandits, Arlette Leupold-Löwenthal, Foto: KosmosArchiv / Margarete Neundinger

Elfriede Hammerls, Foto: KosmosArchiv

Barbara Klein mit Besetzerinnen, Foto: KosmosArchiv

Kurto Wendt, Foto: KosmosArchiv

Besetzung Rondell, Foto: KosmosArchiv

Alle Bilder wurden vom KosmosTheater / KosmosArchiv zur Verfügung gestellt.

Sibylle Berg: Titten, Bling-Bling und Patriarchat

Posted on 2012/05/02

“Liebe Wiener, morgen eröffne ich eine Drogerie. Bitte lasst mich nicht allein”, twitterte Sibylle Berg einen Tag vor ihrem Auftritt am 12.04.2012 im Freitag Shop in der Neubaugasse in Wien. Und sie kamen, die WienerInnen, so zahlreich, dass die Sitzplätze im Shop des schweizer Taschenherstellers nicht ausreichten.
Es ging um die Subjektivität im Journalismus, der Titel “Der Journalismus ist eine Lüge” hatte ein überwiegend medienaffines Publikum angezogen. Nachfolgend gibt die deutschen Autorin und Dramaturgin Auskunft über ihre Ansichten zum Feminismus, zur Mode und Körperbildern.

“Ich muss so schreiben können, wie ich will, sonst verliere ich die Lust”, erklärt Sibylle Berg. Das Problem sei für sie nicht die Tatsache, dass der Journalismus subkjektiv ist, sondern “dass der Journalismus leider doof ist. Meinungen werden nachgekaut, es wird abgeschrieben und nachgeschrieben. Es gibt scheinbar wenig eigenständig denkende Leute.”
Dass sich eigenständiges Denken auch in der distinguierten Wahl der Kleidung äußert, zeigt Frau Sibylle Bergs Gespür für Mode. Laut Eigenauskunft möchte sie jedoch nicht über Selbtsinszenierung sprechen – das sagt zumindest ihre Webseite. “Bei zwei Dritteln meiner Buchpräsentationen geht es darum, wie ich aussehe,” begründet sie. Inzwischen liege sogar eine Dissertation vor, die einen Vergleich der Rezeption ihres Werkes und dem Elfriede Jelineks anstelle: Obwohl ein Altersunterschied von etwa zehn Jahren zwischen den beiden Autorinnen liegt, unterscheidet sich die Rezeption der Werke kaum. In beiden Fällen werden weniger die Arbeit und das Können beurteilt, als vielmehr das Frausein, welches unmittelbar an ihr Auftreten, das Zusammenspiel von adäquatem Erscheinungsbild und Habitus, geknüpft ist.

If I Had a Dick.

Posted on 2012/04/23

screenshot: Die Mädchenbanden von L.A.

Wenn ich nen Wunsch frei hätt, würd ich mir wünschen, in nem anderen Bundesstaat geboren zu sein. Weit weg von hier. Wo ich ganz normal aufgewachsen wär und immernoch mit Barbies spielen würd, antwortet ein Mädchen dem Filmteam um Stéphanie Lamorré. Die Ausweglosigkeit ihrer Situation liegt auf der Hand: Sie ist Mitglied einer Gang. Ein Umstand, der es nahezu unmöglich macht,  jemals ein Leben außerhalb krimineller Strukturen zu führen. Ihre Zukunft bietet zwei Perspektiven: Entweder Knast oder Tod.

Die Mädchenbanden von L.A. ist eine Dokumentation, die das Leben junger Mädchen und Frauen zeigt, deren Leben sich abseits der glitzernden Warenwunderwelt in Disneyland, der Stars von Beverly Hills und der Strände von Santa Monica abspielt – sie sind Gangmitglieder. 40.000 gibt es in L.A. – 4000 davon sind Frauen.
Der Film erzählt von Einsamkeit, Ohnmacht und dem täglichen Kampf ums Überleben, bei dem es darum geht, das eigene Revier zu verteidigen – in einem patriarchalen System, das den Gebrauch verschiedener Formen von Gewalt legitimiert. Dieser Instrumente bedienen sich die Frauenbanden, um ihr Territorium gegen andere Gangs zu verteidigen, um Macht herzustellen oder zu kontrollieren.
Natürlich geht es auch Drogen und schnelles Geld: Eine Frau wirbt Mädchen für eine Zuhälterin an und erklärt, wie und wo ihre Mädchen am besten  (…) bündelweise Hundertdollar machen, einen Schein nach dem anderen.

Wir geraten schon als Kinder in die Fänge des Systems und bleiben unser Leben lang drin sagt eine Stimme aus dem Off. (…)Wir wurden dazu erzogen, alles zu glauben, was die Regierung erzählt. Aber irgendwann wurde mir klar, dass die Regierung nicht unbedingt unser Bestes will. Die Regierung ist ne Gang, der Kongress ist ne Gang, ALLE haben ihre Clique.
Eine packendes Porträt über Frauen in einer Männerwelt, über hierarchische Ordnungen und Machtverteilung, Klassenunterschiede und Ungerechtigkeiten.

 

Die Mädchenbanden von L.A. (Frankreich, 2011, 82 min.)
-available in French and German-
(Erstausstrahlung: Di, 17. April 2012, 21:45 p.m.)
nächster Ausstrahlungstermin: Mi., 2.Mai 2012, 01:40 a.m.
oder als Video on demand