Der schwedische Möbelhersteller Ikea plant und baut einen Stadteil in London.

Es gibt Menschen, recht viele sogar, die verbringen ihre freien Tage im Shoppingwunderland. Mit Kind und Kegel und dem PKW gehts raus in den suburbanen Konsumtempel. Dort wird auf versiegelter Fläche von mehreren hundert Quadratkilometern die Blechkiste abgestellt und die Leut` stürzen sich ins blau-gelbe Lifestyle-Vergnügen: Willkommen im Ikea-Land, hier wird gelebt und nicht gewohnt.

Auf dem durchdachtem Terrain der Ikeawelt mangelt es an nichts: Die Wegeführung ist denkbar einfach, menschengroße Pfeile auf dem Boden leiten die Kundschaft von der Küchenabteilung durch Singlebäder und weiter ins Bettenparadies, bevor es zielgerichtet ins Ikea-Restaurant geht. Zu adäquaten Preisen wird hier schwedisches Plastikfood, neuerdings auch bio, verkauft. Danch rollt es sich umso leichter die Treppe hinunter in das Reich der Wohnaccessoires. Alles, was man nie zu vermissen glaubte, wartet darauf, im Einkaufswagen zu landen (oder, wie es im ModebloggerInnenjargon üblich ist zu sagen: “in meinen Besitz überzugehen”).
Für Eilige ist dieses Labyrinth die Hölle, denn ein forsches Durchspazieren scheint nahezu unmöglich – die Ikeakundschaft steht mehr oder weniger rätselnd oder benommen im Weg herum und hat, ganz im Sinne der KonsumentInnenberieselung, die Welt um sich herum vergessen.

Doch damit nicht genug: Das komplette Ikea-Programm gibts bald auch in groß, denn Ikea baut und plant jetzt auch Stadtteile. Im Osten Londons entsteht in postindustriellem Niemandsland auf 11 Hektar Land ein urbaner Raum – autofrei, mit durchdachter Müllentsorgung und eigenem hydroelektrischem Kraftwerk. 1.200 Mietwohnungen, 480.000 Quadratmeter Gewrebefläche, eine Kreativzone, Restaurant, Hotel, Fußgänger- und Fahrradwege sowie eine neue Busroute ergeben dann zusammen Strand East.

Wohnst du noch, oder lebst du schon? lohnt es sich an diesem Punkt zu fragen – denn in Strand East wird allen, die noch wohnen, fortan auch Nachhilfe im Leben erteilt. Nichts bleibt dem Zufall überlassen “ …(We) will give the residents an events calendar that arrives on their doorstep of things that are happening – and that kind of creates a sense of place. … We’ll shape it rather than force it on people – but we’ll be trying to knit the community together,” erklärt Herr Cobden, Projektmanager Strand East. Dafür verzichtet der Konzern darauf, den BewohnerInnen einen prozentualen Ikeamöbelanteil pro Nettoquadratmeter vorzuschreiben und auch die zukünftigen Restaurantsbesitzer in Strand East müssen nicht zwingend Köttbullar mit Pommes, Rahmsauce und Preiselbeeren servieren. Auch ein weiteres Ikea-Kaufhaus im urbanen Stadtgefüge sei nicht geplant, versichert das Unternehmen mehrfach.
Nahezu verwunderlich, diese Versprechungen – legte man auf die Auswirkungen eines Ikea-Möbelhauses in der gewachsenen Nachbarschaft im Hamburger Viertel Altona doch keinen Wert: Hier entsteht ein Ikeazentrum mitten im Wohnviertel. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen.

Bildquelle: http://strandeast.com/#103