“[...] Ich denke, was die Erfahrung von Occupy sicherlich deutlich gemacht hat, ist, dass die Frage von Protest heute keine Frage mehr von klaren Positionen ist. Es ist bei weitem nicht klar, wer der Gegner ist, gegen wen und was es zu protestieren gilt. [...] Gleichzeitig wenn es darum geht wie Protest weiter geht, haben natürlich auch im Laufe der Bewegung von Occupy die Institutionen der Macht dazu gelernt. Wenn ich daran denke, in den USA wurden zahlreiche Bestimmungen über die Nutzung von öffentlichen Plätzen aber auch über die Abhaltung von politischen Demonstrationen doch wesentlich verschärt.


In Frankfurt hat ja bekanntermaßen das dortige Verwaltungsgericht seine Entscheidung zur Räumung des Lagers in Frankfurt damit begründet, dass es also nicht möglich gewesen sei, einen einheitlichen politischen Willen oder auch eine einheitliche Form der politischen Organisation zu erkennen. [...]” erklärt Helge Mooshammer im Videointerview zur soeben erschienen Publikation Occupy. Räume des Protests .

Der Essay von Peter Mörtenböck und Helge Mooshammer beleuchtet die Perspektiven einer globalen Kultur des Widerstands: Was hat sich mit den Besetzungen von Occupy verändert und wie geht der Protest weiter?
“Von New York bis Kairo, von Hongkong bis Berlin: Weltweit sind neue Protestbewegungen angetreten, öffentlichen Raum in ein politisches Commons zu verwandeln. Gegenüber dem Machtmonopol krisenhafter Systeme setzen sie auf die kreative Kraft von kollektiver Selbstbestimmung. Mit Zeltlagern, Straßenküchen und Volksuniversitäten hat die Occupy-Bewegung diese konfliktreichen Auseinandersetzungen um direkte Demokratie, soziale Gerechtigkeit und ökonomische Alternativen auch in die Zentren der westlichen Welt gebracht.
[...] Welche Spannungen entfalten sich zwischen ihren physischen und symbolischen Räumen, subjektiven und globalen Dimensionen? Was hat sich mit den Besetzungen verändert und wie geht der Widerstand weiter? Ein Buch über die Chancen und Hindernisse von Protest zu Beginn des 21. Jahrhunderts.” (Press release)

Peter Mörtenböck (Prof. Dr. phil.) und Helge Mooshammer (Dr. techn.) lehren Visuelle Kultur an der Technischen Universität Wien und am Visual Cultures Department des Goldsmiths College, University of London. Sie forschen gemeinsam zum Verhältnis von Gegenwartskultur und globaler Ökonomie sowie zu Formen der Beteiligung in geopolitischen und urbanen Prozessen. Webseite: www.visuelle-kultur.net

 

Peter Mörtenböck, Helge Mooshammer
Occupy – Räume des Protests
September 2012, Transcript Verlag
ISBN 978-3-8376-2163-1