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Liverpool 08 – Capital of Vulture

Posted on 2012/04/07

Die Premiere der Dokumentation Liverpool 2008 – Capital of Vulture fand bereits im Herbst 2011 im Rahmen des Festivals urbanize! statt. Der Film wirft einen kritischen Blick auf das Konzept der Kulturhauptstadt am Beispiel Liverpools. Nun wird der Film während des bi-annualen Festivals Soho in Ottakring am 16. Mai 2012 erneut in Wien gezeigt und diskutiert. Der Filmemacher und Stadtforscher Jürgen Cyranek gibt Auskunft über das Projekt, das er zusammen mit Rebecca Cyranek und Claudia Christen realisierte.


Die Dokumentation Liverpool 08 – Capital of Vulture beschäftigt sich mit dem Konzept Europäische Kulturhauptstadt, das ein fixer Bestandteil der europäischen Kulturpolitik ist. Wie ist die Idee zum Film entstanden?

Während meines Masterstudiums Geographie der Großstadt nahm ich an einem Projektseminar teil, dessen Schwerpunkt auf der Entwicklung der schrumpfenden zur kreativen Stadt am Beispiel Liverpools und Manchesters lag.
Zu Forschungszwecken sind wir vor Ort in Liverpool gewesen und obwohl sich unsere damalige Untersuchung nicht auf das Thema Europäische Kulturhauptstadt 2008 konzentrierte, kam dieses Thema in den Gesprächen sehr häufig auf. Unter den Künstlern war ein großer Unmut über das Event und dessen Auswirkungen zu spüren.
Zurück in Berlin, stand für mich schnell fest, dass ich für meine Abschlussarbeit noch einmal nach Liverpool zurückkehren wollte. Dieses Mal sollte das Konzept Europäische Kulturhauptstadt und dessen Bedeutung für eine kulturbasierte Stadterneuerung Liverpools im Mittelpunkt stehen.

Auf welchen Aspekten beruht dein Forschungsinteresse?

Ich war einerseits sehr gespannt darauf, die Stimmen der Künstler zu hören, und andererseits jene zu befragen, die unmittelbar an der Ausrichtung und Organisation des Konzeptes Kulturhauptstadt beteiligt waren. Als Forscher mit dem Schwerpunkt Stadt ist es mir ein großes Anliegen, meine Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das ist mit dem Medium Film sehr viel leichter möglich ist als mit wissenschaftlicher Literatur.
Die Filmproduktion basiert inhaltlich auf meinem theoretischen Fachwissen und den vor Ort gewonnenen Ergebnissen, unterstützt wurde ich von meiner Frau Rebecca, die sich für einen großen Teil der Filmaufnahmen verantwortlich zeigt und von Claudia Christen in organisatorischen Angelegenheiten und bei Übersetzungsfragen. Im Schnitt entwickelte ich dann die Dokumentation – und bin schon jetzt auf das Feedback der Zuschauer und die daran anschließende Podiumsdiskussion gespannt.

Die Stadt Liverpool hat sich erfolgreich als Capital of Culture 2008 beworben. Welche Maßnahmen seitens der Stadtentwicklung und Politik resultierten daraus für die freie Kunstszene der Stadt?

Der Wunsch der Stadtverwaltung war, das Image der Stadt zu verbessern und das Interesse von Investoren zu wecken. Diesen Zielen wurde alles weitere untergeordnet. Als 2003 fest stand, dass die Stadt Liverpool der Ausrichter für die Kulturhauptstadt 2008 werden würde, beschäftigen sich die beiden Wissenschaftler der University of Liverpool Stuart Wilks-Heeg und Paul Jones (letzterer ist auch ein Interviewpartner in meinem Film) bereits vorab mit der Bedeutung, welche dies für die lokale Kulturszene haben könnte .*

Bereits 2004 warnten sie davor, dass die Stadtverwaltung im Rahmen der Ausrichtung des Events die freie Kunstszene ignorieren könnte und damit deren Lebensraum gefährden würde. Die Wissenschaftler befürchteten, dass alle vorab gemachten Versprechungen, wie z.B. die Einbindung der Kunstszene und der örtlichen Bevölkerung im allgemeinen, nur dazu dienten, das Entscheidungskomitee bei der Wahl zur Kulturhauptstadt positiv zu stimmen.

Liest man den Artikel von Jones und Wilks-Heeg aufmerksam, schaut sich meine Dokumentation an oder spricht mit den Künstlern vor Ort, bleibt kaum etwas anderes übrig, als der Stadt dafür zu gratulieren, vieles falsch gemacht und die im Vorfeld geäusserten Befürchtungen bestätigt zu haben.
Die alleinige Ausrichtung auf die Interessen der Investoren, vor allem der Bau eines Shoppingcenters, Liverpool One, im Herzen der Stadt mit einem Pachtvertrag von 250 Jahren, und die damit verbundene Vertreibung von Künstlern durch steigende Mieten (die lokalen Vermieter versprachen sich ebenso eine große Nachfrage nach Immobilien als Folge der Ausrichtung), entsprach in keiner Hinsicht einer Förderung der lokalen Kunstszene.

Cycling Culture: Die große Bühne aus Asphalt

Posted on 2012/04/02

Die Gründe, auf das Rad zu steigen, sind weit zahlreicher als jene, die etwas mit Fitness, frischer Luft und weniger Lärm zu tun haben. Rad fahren in der Stadt verbessert die Lebensqualität. Die eigene und die der anderen. Wenn der Fahrtwind um die Nase weht, bewegt man sich mit anderem Bewusstsein durch die Stadt. Es wird auch schnell klar, was nicht funktioniert. Radfahrer erleben ihre Umgebung anders. Verzichtet man also auf das motorisierte Blech als schützende Hülle, begibt man sich in einen unmittelbaren Austausch mit dem Umfeld und nimmt auch Geräusche intensiver wahr. „Als Radfahrer ist man interaktiv mit der Stadt verbunden,” beschreibt Blum die positiven Effekte des Radelns. Und auch die Erdgeschoßzone bekommt das zu spüren. „Diese ist enorm wichtig für die Lebendigkeit einer Stadt. Und Rad fahren belebt sie, weil man so viel schneller stehen bleiben kann, in ein Geschäft gehen oder sich spontan in ein Café setzen.
Warum für Radfahrer die Stadt zur Bühne wird und was das mit der Erdgeschoßzone zu tun hat, erklärt Martin Blum, Fahrradbeauftragter der Stadt Wien, in einem Beitrag für Die Presse am Sonntag. Desweiteren gehts um Radlchic, Cycle Blogs und die Frage, wer denn all die Räder reparieren soll. [Weiterlesen]

(photo: Paul Rasper von Vienna Cycle Chic, credits: Clemens Fabry für Die Presse)

The Detroit-Berlin Connection

Posted on 2012/02/03

Detroit and Berlin are iconic cities; symbols of cultural and economic domination, as well as of collapse, and (potential) rebirth. Detroit and Berlin have ideological similarities that go far beyond industrial power. As beacons of culture, Detroit and Berlin have both been on the cutting edge of arts activities. Berlin is a crossroads of European film, art, music and food; Detroit is a center of African-American culture, with global credibility in jazz, techno, and emerging cultural expressions.
The Detroit – Berlin Connection looks at the futures of these two great cities and looks at the measures being used to reinvent industrial cities for the 21st century.
/Press release, WDET/

Reporter Martina Guzmann is the head behind the cross-cultural project The Detroit-Berlin Connection, which has become a multi-media series consisting of audio shows, videos and photos.
In an interview on WDET (The Craig Fahle Show) with Bruce Katz of the Brookings Institute and Wayne State University, Robin Boyle, Urban Planning Professor, Martina Guzman describes the biggest similarity of both cities: “I think in terms of the destruction, in terms of two cities that have been destroyed in completely different ways. I mean of course Berlin because of World War I but it recoverd World War II, and then the Cold War and really the division of the wall which destructed the eternal landscape. And I think, we`ve seen it dramatically here in Detroit, but for completely different reasons and that was the biggest similarity. And when people talked about the Berlin-Detroit Connection similarities, they usually talked about art and, you know, techno music, but it was something much, much deeper than that.” To find out more, visit the WDET website – the production has been broadcasted for the first time in October 2011 and all pieces are still available online here.