“Liebe Wiener, morgen eröffne ich eine Drogerie. Bitte lasst mich nicht allein”, twitterte Sibylle Berg einen Tag vor ihrem Auftritt am 12.04.2012 im Freitag Shop in der Neubaugasse in Wien. Und sie kamen, die WienerInnen, so zahlreich, dass die Sitzplätze im Shop des schweizer Taschenherstellers nicht ausreichten.
Es ging um die Subjektivität im Journalismus, der Titel “Der Journalismus ist eine Lüge” hatte ein überwiegend medienaffines Publikum angezogen. Nachfolgend gibt die deutschen Autorin und Dramaturgin Auskunft über ihre Ansichten zum Feminismus, zur Mode und Körperbildern.

“Ich muss so schreiben können, wie ich will, sonst verliere ich die Lust”, erklärt Sibylle Berg. Das Problem sei für sie nicht die Tatsache, dass der Journalismus subkjektiv ist, sondern “dass der Journalismus leider doof ist. Meinungen werden nachgekaut, es wird abgeschrieben und nachgeschrieben. Es gibt scheinbar wenig eigenständig denkende Leute.”
Dass sich eigenständiges Denken auch in der distinguierten Wahl der Kleidung äußert, zeigt Frau Sibylle Bergs Gespür für Mode. Laut Eigenauskunft möchte sie jedoch nicht über Selbtsinszenierung sprechen – das sagt zumindest ihre Webseite. “Bei zwei Dritteln meiner Buchpräsentationen geht es darum, wie ich aussehe,” begründet sie. Inzwischen liege sogar eine Dissertation vor, die einen Vergleich der Rezeption ihres Werkes und dem Elfriede Jelineks anstelle: Obwohl ein Altersunterschied von etwa zehn Jahren zwischen den beiden Autorinnen liegt, unterscheidet sich die Rezeption der Werke kaum. In beiden Fällen werden weniger die Arbeit und das Können beurteilt, als vielmehr das Frausein, welches unmittelbar an ihr Auftreten, das Zusammenspiel von adäquatem Erscheinungsbild und Habitus, geknüpft ist.